...oder anders: was an Themen übrig bleibt, wenn die Großen das Feld schon abgegrast haben. Immer noch jede Menge neue Erkenntnisse! In der aktuellen Folge sind das außer dem Kalendarium für den 23. März ein Kommentar zu Riesenviren, die Konzentration von Plastikmüll in der Donau, sowie die empfundene Schönheit mathematischer Formeln. Des weiteren behandeln wir eine Studie zu Mehrwegflaschen, die genetische Veranlagung von Musikalität, sowie Eisenstaub als potentiellen Mitspieler beim Thema Eiszeit. Anschließend ergehen wir uns in der Besprechung eines Filmes und diskutieren ganz generell über Meeresschutzgebiete. Viel Spaß beim Hören!
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Katrin |
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Mariëlle |
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Sendungsnotizen
Kalendarium: 23. März
- 1754: Geburt von Georg von Vega (Logarithmentafeln; Belohnung für Fehlerfindung, Kreiszahl auf 140 Stellen (126 davon richtig) berechnet; metrisches System vorgedacht)
- 1769: Geburt von William Smith (Ersteller der 1. geologischen Karte Großbritanniens; Leitfossilien)
- 1794: Geburt von Pierre-Simon Laplace
- 1881: Geburt von Hermann Staudinger (Begründer der Polymerchemie & Mitentdecker einiger Makromoleküle)
- 1882: Geburt von Emmy Noether
- 1895: Erstmalige Gewinnung von Helium (1. im Weltraum entdecktes Element; Buchempfehlung dazu in KNS009)
- 1912: Geburt von Wernher von Braun (Raumzeit über den Weltraumfahrstuhl)
- 1937: Geburt von Robert Gallo; Mitentdecker von Interleukin-2 und HIV
- 1989: Kalte Fusion wird erstmals vorgestellt
- 2001: Teile der Mir stürzen ins Meer
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Wissenschaftsnachrichten
Schon wieder Riesenviren
- Legendre M, Bartoli J, Shmakova L, Jeudy S, Labadie K, et al. (2014) Thirty-thousand-year-old distant relative of giant icosahedral DNA viruses with a pandoravirus morphology. PNAS: 201320670
- siehe Methodisch Inkorrekt! 22, KNS008 über Pandoraviren & wichtige Korrektur dazu
- Vorlesungsdefinition 1: Komplexe aus Nukleinsäuren mit Proteinen & Lipiden, die sich nur innerhalb von lebenden Zellen vermehren; extrazelluläre, statische & intrazelluläre, dynamische Zustandsform
- Vorlesungsdefinition 2: Partikel mit nur einer Nukleinsäureart (RNA oder DNA), die sich nur in lebenden Zellen repliziert (keine eigene Teilung oder Ribosomen)
- Ferris Jabr: Why Nothing Is Truly Alive
Some things we regard as inanimate are capable of some of the processes we want to make exclusive to life. And some things we say are alive get along just fine without some of those processes. Yet we have insisted that all matter naturally segregates into two categories — life and nonlife — and have searched in vain for the dividing line.It’s not there. We must accept that the concept of life sometimes has its pragmatic value for our particular human purposes, but it does not reflect the reality of the universe outside the mind.
- Amöben zur Anzucht = spezialisierter Parasit, befällt vermutlich nix anderes
- Logik: Ansteckendes Virus bleibt in Wirtspopulation aktiv; versackt nicht im Permafrost
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Plastik in der Donau
- marine Plastisphere, siehe KNS012
- Lechner A, Keckeis H, Lumesberger-Loisl F, Zens B, Krusch R, et al. (2014) The Danube so colourful: A potpourri of plastic litter outnumbers fish larvae in Europe’s second largest river. Environmental Pollution 188: 177–181
- 1. Untersuchung zur Plastikbelastung in großem Fluss
- Teilchenzahl & -masse von Plastik etwas höher als von Fischlarven
- mehr kleine Partikel (<0,5mm) => Gefahr für Organismen
- mehr große Partikel (>5cm) => Hauptanteil des Eintrags ins Schwarze Meer: min. 50g/s = 4,2t/d
- Unterschiede zu Plastik im Ozean? Näher an Quelle = stärkere Größenvarianz, schlechtere Zersetzung da UV stärker abgeschirmt, schnellerer Abtransport, Auswirkungen auf Flussauen?
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Schönheit liegt im medial-orbitofrontalen Kortex
- Originalartikel: S. Zeki et al. (2014). The experience of mathematical beauty and its neural correlates. Frontiers in Human Neuroscience
- Schönheit liegt im Auge des Betrachters: was ist eigentlich eine schöne mathematische Formel?
- Eine Studie hat eine Umfrage bei Mathematikern gemacht, um herauszufinden, welche Formeln als schön gelten.
- Anschließend wurden Mathematikern in einem fMRI-Scanner diese Formeln gezeigt.
- Es war die gleiche Hirnregion besonders aktiv, die bei anderen Menschen auf schöne Kunst oder gute Musik reagiert (medialer orbitofrontaler Kortex), und das in Abhängigkeit der zuvor bewerteten Schönheit der Formeln.
- Nicht-Mathematiker hatten beim Betrachten derselben Formeln sehr viel weniger Aktivität in diesem Bereich.
- Als schönste Formel galt die Eulersche Formel
- Gefunden bei Nature: Scientific American
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Flaschen greifen gute Ökobilanz von Mehrwegflaschen an
- PM der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V.
- PM der Deutschen Umwelthilfe
- “Poolflaschen” = Abfüller-unabhängige, gemeinsame Wiederverwendung
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Musik liegt in den Genen
- Originalartikel: J. Oikkonen et al. (2014). A genome-wide linkage and association study of musical aptitude identifies loci containing genes related to inner ear development and neurocognitive functions. Molecular Psychology
- Gibt es eine genetische Grundlage für musikalische Begabung?
- Vererblichkeit für absolutes Gehör & Amusie ist bekannt (h= 0.21 – 0.68)
- neue Studie an 76 finnischen Familien (799 Personen & > 660 000 Single Nucleotide Polymorphisms)
- Drei Tests zur Auffassungsgabe von Musik zur Bewertung der Musikalität
- Drei Bereiche waren besonders stark mit der Musikalität verknüpft:
- GATA2 (Entwicklung des Innenohrs und der Colliculi inferiores)
- PCDH7 (Entwicklung der Hörschnecke und Amygdala [emotionale Einfärbung von Eindrücken])
- PCDH15 (Entwicklung der Haarzellen)
- Gefunden bei New Scientist
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Historische Zeitschriften aus dem Bodenseeraum jetzt Open Access
Eis(en)zeit
- Originalartikel: A. Martínez-García et al. (2014). Iron Fertilization of the Subantarctic Ocean During the Last Ice Age. Science
- Die Eisendüngungshypothese existiert seit den 1980ern: Eisenhaltiger Staub wird per Wind im Ozean deponiert -> ‘Explosion’ des Algenwachstums -> CO2 wird aus der Atmosphäre in Biomasse umgelagert -> geringerer Treibhauseffekt, kühlere Temperaturen -> Eiszeit?
- Bisher konnte gezeigt werden, dass Eisenreichtum im Sediment mit großer biologischer Produktivität zeitlich zusammenfiel
- Neue Studie an Bohrkern aus der subantarktischen Zone bringt Eiszeiten, Produktivität (über Stickstoff-Isotope in Foraminiferen-Schalen) und Eisendüngung zusammen
- Es fiel ein starker Zusammenhang zwischen durch Winde eingebrachtem Eisen, biologischer Produktivität, und der Menge des konsumierten Stickstoffes
- Dieser Fingerprint kann etwa 50% der Variation des CO2-Gehaltes der Atmosphäre in den letzten 160’000 Jahren erklären. Doch was war für die anderen 50% der Variation verwantwortlich?
- Unsere Meinung: Schwer vorstellbar, dass Eisendüngung Eiszeiten verursachte, da das Eisen aus trockengefallenen Sedimenten stammte.
- Gefunden bei Science News
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Nachtrag: Meeresschutzgebiete (Dank an Markus)
- siehe KNS008 & KNS012
- speziell diesmal: größtes Netz mariner Schutzgebiete rund um Australien geplant
- Film: Drawing the Line (2013) kritisiert großflächige Einrichtung mariner Schutzgebieten rund um Australien (“Marine Protected Areas” & “Marine Bio-Regional Planning Process”): Fischereiverbot unabhängig v. wissenschaftlich nachgewiesenem Schaden & erwartbarem Nutzen
- stellt Notwendigkeit grundsätzlich infrage: “nur 70 v. 1500 bedrohten Arten sind marin, nur 12 davon haben geringe Wanderradien, nur 2 davon werden kommerziell genutzt” & derzeitige Fangmethoden” 1 Tuna-Haken/Quadratmeile ist nachhaltig”
- Bsp. Thunfisch: Fangquote entspricht nur 10% des Konsums => Import aus Südostasien => Externalisierung der Umweltzerstörung (Nationalismus, Protektionismus)
- 300 Mio AUD für Einrichtung; gleichzeitig: Diskussion, ob Schutz stark bedrohter Arten noch sinnvoll ist (“cut them loose”)
- Gefahr der Augenwischerei: Reservat ist da, alle Probleme gelöst!!!
- Verlagerung & Intensivierung der restlichen Fischerei
- Wissenschaftliche Korruption: Geld wird in Problemforschung gesteckt, anstatt in Grundlagenforschung, ob überhaupt ein Problem besteht; Negativergebnisse nicht veröffentlicht
- Bootsgröße egal, Netzgröße egal. Wichtig: gefangene Biomasse & Fundament der Quote
- Fabrikschiff sinnvoll, wenn Hafen-gebundene Kleinfischer nicht ohne Qualitätsverlust anlanden können => Fischmehl als Resteverwertung
- Fabrikschiff: direktes Einfrieren = hohe Quali
- Grünenwähler leben vor allem in Großstädten, aber wollen ländlichen Regionen mehr Umweltschutz vorschreiben.
- Vergleich: Fisch mit Vieh auf Basis von Süßwasserverbrauch, Bodenerosion, Antiobiotika… Aber nicht verglichen mit Wild.
- Australian Marine Alliance dazu
- Green Left Weekly dazu: Marine Parks = totales Nutzungsverbot, außer Transport & Militär; Reservate: nur einige Fischereitechniken verboten
- Pew Environment Group-Australia dazu: “Parks notwendig zum Schutz einheimischer, bedrohter Arten”
- Sydney Morning Herald dazu
- Radiolab dazu
- Smith ADM, Smith DC, Haddon M, Knuckey IA, Sainsbury KJ, et al. (2014) Implementing harvest strategies in Australia: 5 years on. ICES J Mar Sci 71: 195–203.: Harvest strategy = Bestandsstatus bestimmt Fischereiquote nach definierten Regeln (z.B. % Biomasse)
- grüne Großstädter: Sehnsucht nach einfachem Leben, einfacher Arbeit & Natur?
- Lobby aufdröseln: vernünftige Fischer (Familienbetriebe?), Fischereiindustrie, Bootsindustrie, Sport, etc.
- “Ablass” der AU-Regierung für Umweltverschmutzung an Land durch Bergbau?
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Empfehlungen
- Nature Podcast 13. März (MP3) über die Rolle von Wölfen im Yellowstone-Ökosystem, Wasservorräte im Erdmantel, eine Urknalltheorie aus dem 13. Jhd.
- Science Podcast 14. März (MP3)
Hausmeisterei
- OGG-Feed anbieten? Eh vorhanden um Firefox-Problem mit Kapitelmarken in MP3 zu umgehen.
- Danke für’s Runterschalten der Podcatcherfrequenz ;-)