Nur noch eine Folge zum runden Geburtstag! Oder zählt man etwa die Nullnummer mit?!? Wir sind uns nicht sicher und machen unverdrossen weiter. Natürlich wieder mit einem Rückblick auf interessante historische Ereignisse an 13. Aprillen (Mehrzahl?), Wissenschaftsnachrichten aus dem ganzen Stimmungsspektrum, einem unterschwelligen Anstoß für ein Open-Source-Softwareprojekt und der Besprechung eines wiedermal ausgezeichneten Buchs von E. O. Wilson über die Evolution der Eusozialität. Viel Spaß beim Hören und kommentieren!
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Mariëlle |
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Katrin |
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Sendungsnotizen
Kalendarium: 13. April
- 1794: Geburt von Jean Pierre Flourens (lokalisierte Gehirnfunktionen; Update 16. April: Mehr dazu im Modellansatz, Folge 17 mit Markus Dahlem. Danke für den Hinweis!)
- 1853: Tod von Leopold Gmelin (Mitentdecker der Salzsäure im Magensaft, Resorbtionsmechanismen während der Verdauung)
- 1855: Tod von Henry De la Beche (prägte “Thermokline“)
- 1880: Tod von Robert Fortune (führte Teepflanze & Hanfpalme nach Indien ein; Neobiotiker)
- 1941: Tod von Annie Jump Cannon (spektrale Kategorisierung von über 400k Sternen)
- 1960: Start von Transit 1-B (1. Navigationssatellit)
- 1970: O2-Tank in Apollo 13 explodiert (überschattet Einschlagexperiment mit Saturn-Raketenstufe)
- 2014: #YoManuscript (zitierter Tweet von Christian Reinboth)
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Wissenschaftsnachrichten
Blutleererer, unterkühlter, metabolischer Stillstand
- Vorstudie: Alam HB, Bowyer MW, Koustova E, Gushchin V, Anderson D, et al. (2002) Learning and memory is preserved after induced asanguineous hyperkalemic hypothermic arrest in a swine model of traumatic exsanguination. Surgery 132: 278–288
- Gunshot victims to be suspended between life and death – Health – 26 March 2014 – New Scientist
- University of Pittsburgh Medical Center (Wikipedia) Presbyterian (Wikipedia), Pennsylvania
- schwere Verletzung mit starkem Blutverlust => schnelle Infusion von 4°C kalter, hoch-% Kaliumsalzlösung (v.a. Herz & Hirn) => Körperkerntemp.: 10°C
- “asanguineous hypothermic metabolic arrest” = “blutleerer, unterkühlter, metabolischer Stillstand”
- anaerobe Glycolyse => Überlebensdauer = Stunden
- weniger Zeitdruck bei operativer Gefäßreparatur
- Bluttransfusion & langsames Aufwärmen => meist automatisches Einsetzen des Herzschlags
- normal-temperiertes Wiederbeleben: O2-Schock + Abbauprodukte aus erstickenden Zellen = Radikalbildung = Reperfusionsschaden im neu durchbluteten Gewebe
- Beispiel 1999: Skifahrerin bei Narvik/Tromso bricht in gefrorenen Bach ein und kann erst 80min später befreit werden => T = 14°C, keine Lebenszeichen => Blutausleitung über Bypass, langsame Erwärmung & O2-Anreicherung => Herzschlag, 1 Woche später Bewusstsein, volle Bewegungsfähigkeit nach einigen Wochen, zurück im Beruf 6 Monate später
- Klinische Studie: 10 tödlich Verletzte (>50% Blutverlust, offener Brustkorb; 1 Fall pro Monat; Überlebensrate bisher <10%); Wie Kontrollgruppe zusammenstellen? Verbesserung der Technik & 10 weitere Versuche
- ausnahmsweise keine Einverständniserklärung nötig; dafür Bekanntmachungen im Einzugsbereich
- Mitentwickler Peter Rhee: “We’ve always assumed that you can’t bring back the dead. But it’s a matter of when you pickle the cells.”
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Das frühe Altern der Kinder
- Originalartikel: Mitchell et al. (2014). Social disadvantage, genetic sensitivity, and children’s telomere length. PNAS
- Telomere sind die Endstücke der Chromosomen; sie schützen diese vor Verlust wichtigen genetischen Materials
- Die Länge von Telomeren sind Biomarker für chronischen Stress, wurde in Erwachsenen gezeigt
- Eine neue Studie in Kindern zeigt, dass ihre Familienverhältnisse großen Einfluss auf die Telomere haben
- Auch wurde gezeigt, dass vermutlich Serotonin und Dopamin für die Auswirkungen von Stress auf die Telomere verantwortlich sind
- gefunden bei Nature News
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Wolf im Inntal
- Bayerisches Landesamt für Umwelt (Pressemitteilungen: 24. & 28. März, 7. & 9. April)
- Ausgleichszahlungen für gerissene Tiere? Nicht verpflichtend, aber oft doch.
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Uni Konstanz stoppt Verhandlungen mit Elsevier-Verlag
- Dank an Methodisch Inkorrekt! & OpenSienceRadio
- Pressemitteilung (auf Englisch), bei SpON & Science News
- ca. 100 Zeitschriften, durchschnittlich 3400 EUR/Jahr teuer
- nur 2% des elektronischen Bestandes, aber 20% der Kosten
- “[…] alternative Beschaffungswege […]”? #ICanHazPDF!
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Ein Protein sie beide zu knechten
- Originalartikel: MacLean et al. (2014). Phytoplasma Effector SAP54 Hijacks Plant Reproduction by Degrading MADS-box Proteins and Promotes Insect Colonization in a RAD23-Dependent Manner. PLOS Biology
- Phytoplasmen sind parasitische Bakterien von Pflanzen, und werden meist von Zwergzikaden von Pflanze zu Pflanze übertragen
- Von Phytoplasma befallene Pflanzen zeigen Phyllodie: Statt Blüten wachsen normale Laubblätter; die Pflanze wird steril
- Mechanismus aufgeklärt: Ein einziges Bakterienprotein interagiert mit einem Pflanzenprotein, welches Proteine für das Proteasom markiert (in dem Fall also die Proteine, welche die Blütenbildung beeinflussen)
- Zwergzikaden legen mehr Eier in phyllodische Pflanzen
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5. Report der IPCC Arbeitsgruppe 2
- IPCC Medienportal; Zusammenfassung für politische Entscheider
- Liveblog von Henning Krause; heute: Vorstellung WG3-Report, siehe #IPCC_wg3
- siehe Resonator Podcast, Folge 28 (MP3)
- frühere Kritik: Konsens von Wissenschaftlern & Regierungsvertretern => eher kleinster gemeinsamer Nenner als der Faktenlage angemessener Alarmismus
- Flussdiagramm der IPCC-Prozedur: 3 Korrekturrunden; erst Experten, dann Regierungsvertreter, selbst bei Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger
- Beispielkommentare zum AR4, Kapitel “Europa”
- Medien-Spin (via George Monbiot): “IPCC hat schon Fehler gemacht!” (aber korrigiert, im Gegensatz zu Zeitungen!), “Nur Modellrechnungen!” (Watt denn sonst? Kartenlegen?) & “Anpassung ist möglich & billiger”
- Stern-Report: “Vorsorge billiger als Nachsorge” (Zusammenfassung; kaputtes Archiv)
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Die Retter eurer Koffeinversorgung
- Originalartikel: Railsback & Johnson (2014). Effects of land use on bird populations and pest control services on coffee farms. PNAS
- Der Kaffeebohrer ist ein wirtschaftlich großer Schädling auf Kaffeeplantagen (obgleich körperlich klein)
- Inwiefern sich Vögel als natürliche Schädlingsbekämpfer einsetzen ließe, wurde in PNAS veröffentlicht
- Da Blaurücken-Waldsänger gerne Kaffeebohrer fressen, diese aber nur <10% ihrer Nahrung ausmachen, muss man den Vögeln ein wenig mehr bieten
- Simulationen haben ergeben, dass wenn man 5% der Plantagenfläche durch Baumgruppen ersetzt, optimale Vogeldichten für die Bekämpfung erzielt werden könnten
- Wie man diese Bäume auf der Fläche verteilt, spielt kaum eine Rolle (rein rechnerisch)
- Bäume, die für die Beschattung der Kaffeepflanzen allein bereits angepflanzt werden, reichen nicht aus, um die Vögel zu ernähren (wobei dort auch ein geringerer Schädlingsbefall herrscht)
- Fazit: In den Berechnungen ergab sich, dass trotz geringerer Anbaufläche (wg. der Bäume) mehr Ertrag möglich ist. Daher: Ausprobieren!
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Advanced Scientific Writing (Software)
- Scientific Writing
- Microsoft Office Add-ins for Scholarly Communication
- JStylo & Anonymouth
- 28C3: Deceiving Authorship Detection
- 29C3: Stylometry and Online Underground Markets
- ähnliche LaTeX-Pakete
- Scientific Writing Assistant
- Hemingway App
- Scrivener
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Buchbesprechung: The Social Conquest of Earth (E.O. Wilson)
- OpenLibrary-Eintrag; siehe auch KNS006
- auf Deutsch “Die soziale Eroberung der Erde: Eine biologische Geschichte des Menschen”
- Eusozialität = arbeitsteiliges, altruistisches Zusammenleben verschiedener Generationen einer Gruppe
- Schwellen-/Sprungfedermodell mit 5 Phasen: Eusozialität = Nestbau & -verteidigung + Nahrungssammlung, z.B. für Jungtiere (Darwinsche Evoution; 1. & 2. Phase) – Auswanderungsverhalten (Mutation; 3. Phase) => eusoziale Gene müssen keine neuen Verhaltensweisen kodieren, Stilllegung vorhandener reicht (z.B. Aufnahme einer Arbeit, die schon von Nestgenossen verrichtet wird)
- Entfernung von Schwelle durch z.B. Spezialisierung mancher Bienen auf wenige Pflanzen möglich => weniger Überlappung von Sammel- & Brutzeit => 2. & 3. Phase/Säule fallen weg
- 4. Phase: Selektionsdruck wirkt speziell auf soziale Merkmale (Arbeitsteilung, Kommunikation, Dominanzverhalten)
- 5. Phase: Selektion auf Kolonieebene (Königin zu Königin; Arbeiterinnen sind nur Roboter-artige Ausprägungsvarianten ihres Genoms)
- Welches Selektionsziel erklärt Evolution von Eusozialität am besten? Individuum, sodass Altruismus & Gruppenbildung für eigene Fortpflanzung vorteilhaft sind? Verwandtschaft, sodass Familiengruppen kooperieren? Alturistengruppen, die egoistische niederkonkurrieren?
- Verwandtenselektion (“Inclusive-fitness theory”) erklärt Altruismus nur unzureichend & war nicht Stimulanz bei neueren Entdeckung zu => Vitalität eines Forschungszweigs zeigt Sinnhaftigkeit der zugrundeliegenden Paradigmen
- Kritik: Verwandtenselektionshypotese wurde rückwärts angewandt: Suche nach Beweisen, statt Aufbau der zu Beobachtung & Ergebnissen passenden Theorie => Ausschluss besser passender Hypothesen
- Mensch: individuelle Selektion fördert Egoismus; Gruppenselektion fördert Altruismus => “Natur des Menschen”
- Schlusszitat: “Every normal person feels the pull of conscience […]”.
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Geburtstagshausmeisterei
- 30. März oder 18. April
- Jubiläumssendung mit Methodisch Inkorrekt im Sendezentrum auf der re:publica 2014
- Spendenrückblick Jahr 1: laufende Kosten gedeckt; mit Puffer für z.B. Filmeinkauf in KNS018
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