Allen Hörerinnen und Hörern zunächst einmal alles Gute für 2014! Wir starten das Neue Jahr mit 2 neuen Rubriken: Dem Kalendarium (diesmal für den 6. Januar) und mit Wissenschaflter-Homestories (diesmal von Fritz Haber und seiner Frau Clara Immerwahr). Daneben gibt es wieder einen bunten Strauß Wissenschaftsnachrichten aus den Bereichen Menschenaffen, marine Zoologie, Astrophysik, Ökologie und Psychologie. Außerdem haben wir ein Vorschlag für ein einfach nachzumachendes Experiment für die HundebesitzerInnen unter euch. Viel Spaß dabei!
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Sendungsnotizen
Nachtrag zu KNS013: Schimpansen wird Personenschaft verweigert
- Alle drei Anträge – betreffend zwei Schimpansen an der Stony Brooks University und zwei in Privathand – wurden abgelehnt, mit der Begründung, Schimpansen seien keine Personen.
- Die NhRP hat das Ergebnis erwartet, und zeigt sich weiterhin zuversichtlich. Sie finden, die Richter seien sehr respektvoll mit den Anträgen umgegangen.
- Richard Cupp: “Animals are not persons, but that does not mean that abusing them is acceptable,” he writes in an e-mail. “Both humans and animals would be best served by placing a strong emphasis on human responsibility for humane treatment of animals rather than creating an artificial construct of animal personhood.”
- Die Strategie der NhRP hat sich durch das Ergebnis nicht geändert.
Kalendarium: 6. Januar
- 1389: Eröffnung der Alten Universität zu Köln
- 1795: Geburt von Anselme Payen; erster Entdecker eines Enzyms (Diastase) & der Zellulose; Erfinder eine Methode zur Borax-Herstellung, die Importmonopol der Niederländischen Ostindien–Kompanie brach (Deglobalisierung!?!)
- 1912: Alfred Wegner veröffentlicht mündlich seine Theorie der Kontinentaldrift
- 1920: Geburt von Marianne Grunberg-Manago; Entdeckerin des Enzyms Polynukleotidphosphorylase, dass den ersten Schritt der Entschlüsselung des genetischen Codes ermöglichte, siehe KNS011.
- 1990: Tod von Pawel Tscherenkow; Entdecker eines bläulichen Strahlungseffekts von schnellen Elektronen in Wasser. Mehr dazu im ometa tau Podcast #134.
Wissenschaftsnachrichten
Seesternzombies
- Neues Auftreten des ‘seastar wasting syndrome’ im Sommer 2013. Dies trat vormals 1983 und 1997 während El Ninos auf.
- Es sind mehr Arten befallen als zuvor. Außer Seesternen sind auch Seeigel betroffen, die als Nahrung für den Seeotter sowie Langusten & Lippfische dienen.
- Das Syndrom zeichnet sich aus durch Läsionen und Nekrosen aus. Die Seesterne werden schlaff, verlieren ihre Arme und sterben innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen.
- Andere Arbeitsgruppen arbeiten mit den Tieren selbst und suchen, ob es womöglich eine autoimmune Erkrankung ist, oder tatsächlich ein Erreger im Spiel ist. (Hälterung kranker & gesunder Tiere getrennt durch verschiedene Barrieren)
- Mögliche Ursachen sind: Erreger (Viren, Bakterien, Protozoa), autoimmune Erkrankungen, geringe Sauerstoffkonzentrationen, lokale Warmwasservorkommen, Umweltgifte
- Forscher sind zuversichtlich, tappen aber noch völlig im Dunkeln
Fischbestände profitieren auch von Fangverbot für alte, große Exemplare
- aktuelle Politik: Mindestgröße maximiert nutzbare Biomasse
- Einfluss natürlicher Altersstruktur & fruchtbarer Biomasse?
- Barsch, Zander, Forelle, Äsche & Hecht
- Modellrechnung mit Begrenzung des Sportangelns auf mittlere Alter & Größen
- in natura durch verschieden große Netze, Köder etc.
- beide Limits sind guter Kompromiss zw. Ausbeute & fruchtbarer Biomasse
- aber: Limitierung auf mittlere Alter & Größen (harvest slots) sorgte stets für höhere Ausbeuten (auch Trophäengrößen), natürlichere Populationsstruktur und geringere Mortalität von wieder freigelassenem Beifang (gesünderes Alter?)
- Vorhersagen durchweg pro harvest slots, aber Messungen in natura zur Bestätigung des Modells nötig
- Originalartikel: Gwinn DC, Allen MS, Johnston FD, Brown P, Todd CR, et al. (2013) Rethinking length-based fisheries regulations: the value of protecting old and large fish with harvest slots. Fish and Fisheries.
Die Suche nach dunkler Materie
- Astronomen haben irgendwann mal gemerkt, dass der größte Anteil der Masse im Universum unsichtbar ist. Seitdem haben sie versucht, diese ‘dunkle Materie’ zu finden.
- Da aber bisher keine Nachweismethode funktioniert hat, haben sie angefangen, das Ganze nochmal von vorne durchzudenken. Sogar der momentan heißeste Kandidat (Weakly Interacting Massive Particles) hat null Resultate aufgeliefert.
- Das Problem ist, dass ausreichend Beweise für dunkle Materie existieren, aber man findet das Zeug einfach nicht.
- Die Idee mit den WIMPs noch immer recht beliebt, weil sie prima in das Gesamtbild passt. Leider haben alle Versuche des Nachweises absolut keinen Hinweis auf deren Existenz geliefert.
- Wenn also nicht WIMPs, was dann? Axions sind theoretische Partikel, die ähnlich gut die Häufigkeit von dunkler Materie erklären können, und noch seltener mit Materie interagieren wie WIMPs. Bisher: kein Nachweis.
- Beispiele für alternative Ideen: Mini-schwarze Löcher, aus quark matter bestehende, nicht-leuchtende quark-Sterne.
- Es gibt deren Ideen noch jede Menge mehr, und alle durchzutesten könnte noch 100 Jahre dauern. Vielleicht muss man irgendwann sagen, dass dunkle Materie tatsächlich nur über Gravitationswechselwirkungen nachweisbar sind. Das ist allerdings unwahrscheinlich, denn im Gegensatz zu WIMPs und Axions gibt es für die Entstehung solcher Teilchen keine vernünftige Erklärung.
- Die meisten beteiligten Wissenschaftler sagen, dass es ihnen egal ist, welches Teilchen letztendlich als dunkle Materie erweist, so lange sie es nur finden.
Ansiedlung ausgestorbener Hummelarten im UK läuft besser als erwartet
- Short-haired bumblebee / Erdbauhummel / Bombus subterraneus zuletzt 1988 in Großbritannien beobachtet, 2000 für ausgestorben erklärt
- Vernichtung wilder Wiesen, Pestizide
- Auswilderungsversuche durch das Short-haired bumblebee project zunächst mit neuseeländischen (“Forschungs”reise!!!) Hummeln, aber zu stark inzestuös
- erfolgreich mit importierten & quarantänierten Hummelköniginnen aus Schweden (evolutionäre Landschaft, siehe KNS009)
- Hoffnung: Pestizide erträglich, wenn Habitate & Populationen gesund sind
Depressionsvorhersage
- Forscher haben herausgefunden, dass sich das Risiko für eine baldige Depression mittels einfacher Stimmungstests vorhersagen lassen.
- Das Experiment dazu war recht simpel:
- 600 Personen (depressiv wie gesund) haben mehrere Tage lang ihre Stimmung mittels einer App aufgezeichnet. Diese befragte die Personen mehrfach am Tag nach ihrer Stimmungslage. 6-8 Wochen später wurde mittels Fragebögen der Depressionszustand eines jeden zu bestimmen.
- Am Ende der Studie waren 13% der Personen in Richtung Depression gerutscht.
- In mathematisch: Der Übergang von gesund zu depressiv ist ein qualitativer Umschlagpunkt. Diese Punkte haben die Eigenschaft, dass je näher man sich ihm befindet, desto weniger belastbar wird das ganze System; oder: umso wahrscheinlicher wird er bei Störung überschritten, wenn das System aus dem Gleichgewicht geschoben wird.
- Das heißt: Je länger man braucht, sich von kurzfristigen negativen Empfindungen zu erholen, desto depressiver waren die Patienten am Ende der Studie.
Experiment für Hundebesitzer: Beim Gassi-Gehen Ausrichtung während des Verrichten der Geschäfte mit’nem Kompass überprüfen (Dank an Markus!)
- 70 Hunde von 37 Rassen bei ca. 7500 Geschäften innerhalb von 2 Jahren beobachtet
- Ausrichtung hinterher mit EMF-Daten korreliert
- nehmen überwiegend Nord-Süd-Ausrichtung ein und folgten Schwankungen im EMF
- 1. Nachweis für Magnetosensitivität in Hunden
- messbare Verhaltensänderung als Antwort auf natürliche EMF-Fluktuation in Säugetieren
- Polarität der MF-Linien (nicht Intensität) offenbar ausschlaggebend
- Originalartikel: Hart V, Nováková P, Malkemper EP, Begall S, Hanzal V, et al. (2013) Dogs are sensitive to small variations of the Earth’s magnetic field. Frontiers in Zoology 10: 80.
Die Geometrie komplexer Krankheitsverbreitung
- Früher: Krankheitsausbreitung ließ sich mittels einem einfachen Reaktionsdiffusionsmodell beschreiben.
- Die heutige Welt ist völlig anders vernetzt, und Modelle zur Vorhersage von Krankheitsverbreitung sind komplex und häufig schwer nachvollziehbar.
- Eine neue Idee macht aus einem komplizierten Zusammenhang wieder eine (relativ) einfache Geschichte: effektive, statt geografischer, Distanzen.
- Die effektive Distanz beruht auf der Vernetzung zweier Orte via Fluglinien: Häufigkeit der Flüge, Zahl der Passagiere, etc., und machen ein Reaktionsdiffusionsmodell wieder wirksam: Mittels anders dargestellter Distanz wird die Ausbreitung wieder wellenförmig!
- Originalartikel: Brockmann & Helbing (2013). The Hidden Geometry of Complex, Network-Driven Contagion Phenomena. Science.
- Danke an Markus für den Themenvorschlag!
- Comic zu Karten-Projektionen: xkcd – Map projections
Neue Rubrik: Wissenschaftler-Homestories. Heute von Fritz Haber.
Hausmeisterei
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Empfehlungen
- Harald Lesch über die moderne Astrophysik und ihre Abgründe (Dreiteiler bei SWR Aula; RSS; MP3s: Teil 1, 2 & 3)
- DNA seen through the eyes of a coder (via @erdgeist)
- Editorial der Annals of Internal Medicine über Sinnlosigkeit von Vitamin- & Mineralstoffpräparaten für Krankheitsvorbeugung